Zweite Tagesexkursion an jüdische Orte im Landkreis Würzburg, 29.04.2012

Außenansicht der ehemaligen Präparandenschule in Höchberg, Foto: Rebekka Denz
Außenansicht der ehemaligen Synagoge in Höchberg, Foto: Rebekka Denz
Der Chuppastein in der ehemaligen Synagoge in Höchberg, Foto: Rebekka Denz
Der jüdische Friedhof in Höchberg, Foto: Rebekka Denz
Besuch des jüdischen Friedhofs in Höchberg unter kompetenter Anleitung von Frau Taigel, Foto: Gabi Rudolf
Spuren der Mesusa an der Zeller Laubhütte, Foto: Rebekka Denz
In der Zeller Laubhütte, Foto: Inge Scheffler
Moderner Magen David (2. Hälfte 20. Jh.) mit Brunnen im Judenhof in Zell, Foto: Jesko Graf zu Dohna
Blick auf das Ewige Licht in der rekonstruierten Synagoge in Veitshöchheim, Foto: Gabi Rudolf
Blick von der Frauenempore der Synagoge Veitshöchheim, Foto: Rebekka Denz
Blick von der Frauenempore auf den Almemor in der Synagoge Veitshöchheim, Foto: Jesko Graf zu Dohna
Jüdisches Schulwesen im Jüdischen Kulturmuseum in Veitshöchheim, Foto: Inge Scheffler
Die Laubhütte im Jüdischen Kulturmuseum in Veitshöchheim, Foto: Rebekka Denz
Rundgang auf den jüdischen Spuren in Rimpar unter kompetener Leitung von Frau Mintzel, Foto: Gabi Rudolf
Außenansicht des Lehmann-Hauses in Rimpar, Foto: Rebekka Denz
Die ehemalige koschere Metzgerei in Rimpar, Foto: Rebekka Denz
Impression der ehemaligen Synagoge in Rimpar, Foto: Rebekka Denz

Die erste Tagesexkursion an jüdische Orte im Landkreis Würzburg fand am Sonntag, 29. April 2012 ganztägig statt. Sie führte von Höchberg, Zell a. M. und Veitshöchheim bis nach Rimpar. Ein Reisebus startete und endete in Würzburg. Über die Exkursion wurde ein Film erstellt, den Sie kostenlos bestellen können. Senden Sie hierfür eine E-Mail mit Ihren Adressdaten an info@weinwaldwasser.de.

 

 

Die Mitreisenden bestiegen pünktlich um 9.30 Uhr am Hauptbahnhof Würzburg den Reisebus, der die rund 25 Anwesenden zunächst nach Höchberg brachte.

In Höchberg wurde die Gruppe durch Frau Taigel auf den jüdischen Spuren des Ortes geführt. Frau Taigel begann ihre Ausführungen am Gedenkstein für die ehemaligen jüdischen Bewohnerinnen und Bewohner des Marktes Höchberg. Im Folgenden führte sie die Exkursionsgruppe in die ehemalige Israelitische Präparandenschule, die im Jahre 1861 eröffnet wurde. Im Gebäude wurde die Gruppe von Frau Ringelmann begrüßt und über die Geschichte des Hauses informiert. Zudem bot sich nun die Gelegenheit, sich die seit Mitte der 1990er Jahre dort befindliche, sehr informative Dauerausstellung zur Geschichte der Höchberger Judenheit und der Israelitischen Präparandenschule anzusehen. Im Folgenden gelangte die Gruppe auf den jüdischen Friedhof in Höchberg. Frau Taigel umriss die Geschichte des Friedhofs und zeigte ausgewählte Gräber wie beispielsweise das Grab des ehemaligen Landesrabbiners von Franken Abraham Bing (1752-1841) oder das Grab des "Würzburger Raw" Rabbiner Seligmann Bär Bamberger (1807-1878). Die Führung in Höchberg abschließend führte Frau Taigel in die heutige Matthäuskirche. Das Bauwerk wird seit Anfang der 1950er Jahre als evangelische Kirche genutzt, bis zum November 1938 beherbergte es die Synagoge. Im Gebäude befindet sich bis heute ein Chuppastein. Dieser Hochzeitsstein wurde im Zuge der Umbauarbeiten ab den 1950er Jahren von der Außenfassade in den Innenbereich des christlichen Gotteshauses versetzt. 

Die nächste Station der Tagesfahrt war Zell am Main. Hier wurde die Gruppe vom 2. Bürgermeister Arntretter und erneut von Frau Taigel begrüßt. In Zell hat sich eine Laubhütte erhalten, diese Spur jüdischer Religionspraxis kann getrost als in Süddeutschland einmalig bezeichnet werden. Neben der Führung der Zeller Laubhütte wurde die Gruppe zudem in das in unmittelbarer Nähe befindliche Privathaus geführt, das auf eine reiche jüdische Geschichte zurückblicken kann. Frau Taigel und Bürgermeister Arntretter berichteten über den aktuellen Stand der Bauforschung zur Laubhütte sowie des von der Stadt gekauften Privathauses und führte die Gruppe in den Keller, der vermutlich einst als Mikwe genutzt wurde.

Der Bus brachte die Reisenden nach Veitshöchheim, wo Frau Dr. Edelmann den Part als Reiseführerin übernahm. Gestärkt vom Mittagessen traf sich die Gruppe im 1994 eröffneten Jüdischen Kulturmuseum und Synagoge Veitshöchheim, um von Frau Dr. Edelmann in die jüdische Geschichte am Ort eingeführt zu werden. Die Gruppe besichtigte die Dauerausstellung des Kulturmuseums und die im Jugendstil rekonstruierte Synagoge. Im Dachgeschoss des Jüdischen Kulturmuseums finden sich Spuren einer Laubhütte, die allerdings - wie Frau Dr. Edelmann betonte - im Gegensatz zur Zeller Laubhütte inszeniert ist. D. h. nach dem Fund der Spuren einer Wandbemalung, die auf die frühere Nutzung als Laubhütte hinweist, wurde eine Sukkot-Szene museal inszeniert.

Den gelungenen und überaus informativen Tag abschließend ging es weiter nach Rimpar. Hier wurde die Gruppe von Frau Mintzel und Frau Busche in der Alten Knabenschule erwartet. Frau Mintzel ging auf die jüdische Geschichte in Rimpar ein - und somit auch auf die Familie Lehmann -; sie illustrierte ihren Wortbeitrag mit einigen Fotografien. Frau Busche beschrieb die innovativen jährlichen Gedenkfeiern zur Reichspogromnacht, die sie gemeinsam mit anderen Aktiven vor Ort durchführt. Denn so wird das Gedenken an die jüdischen Bürgerinnen und Bürger in Rimpar und deren Verfolgung in der Zeit des Nationalsozialismus mit einem jährlich wechselnden Themeschwerpunkt zu einem Ausschnitt der Rimpaer jüdischen Geschichte begangen. Nach den Einführungen im Vortragssaal der Alten Knabenschule machte sich die Gruppe unter Anleitung der beiden Gastgeberinnen daran, die baulichen Spuren der jüdischen Geschichte zu besichtigen. Die Führung umfasste das Haus der Familie Lehman, die ehemalige koschere Metzgerei, den Standort der ehemaligen Mikwe, ehemalige jüdische Geschäftshäuser und die ehemalige Synagoge in Rimpar. Die praktische Gedenkarbeit wurde auch durch die sichtbaren Stolpersteine überaus deutlich. Für alle, insgesamt 13 jüdischen Bürgerinnen und Bürger, die im Nationalsozialismus ermordet wurden, wurden in Rimpar in den letzten Jahren Stolpersteine verlegt.

Gegen 17.30 Uhr war die Führung in Rimpar beendet, die Gruppe bestieg erneut den Bus, der die Reisenden zurück zum Ausgangspunkt am Würzburger Hauptbahnhof brachte.


 

97204 Höchberg
97299 Zell a. M.
97209 Veitshöchheim
97222 Rimpar
Start: 
Sonntag, 29. April 2012